Baumarten

Für das Projekt SILVITI wurden sieben seltene und als trockenheitsertragend geltende Laubbaumarten ausgewählt. Dabei handelt es sich um:


Starke und hochwertige Elsbeere im Universitätsforstamt Sailershausen Foto: Georg Löffler
Starke und hochwertige Elsbeere im Universitätsforstamt Sailershausen
Foto: Georg Löffler

Elsbeere (Sorbus torminalis). Der Baum des Jahres 2011 zählt zu unseren wertvollsten heimischen Gehölzen. Während des „Elsbeerenbooms“ Mitte der 1990er Jahre wurden bis zu 10.000 € für qualitativ hochwertige Stämme bezahlt. 

Neben der Produktion von Wertholz erfüllt die Elsbeere auch wertvolle ökologische und ästhetische Funktionen, da beispielsweise ihre Blüten und Früchte die Nahrungsgrundlage vieler Insekten- und Vogelarten sind, und die Baumart immer wieder optisch ansprechende Kontrapunkte in der Landschaft setzten kann. Aus den Früchten der Elsbeere lassen sich hochwertige Spirituosen herstellen.

Elsbeere im Herbstlaub mit Früchten
Foto: Patrick Pyttel
 

Speierling im Eschweiler Tal bei Bad Münstereifel
Foto: Georg Löffler
Krone eines Speierlings im Herbstlaub
Foto: Patrick Pyttel

Speierling (Sorbus domestica). Der Baum des Jahres 1993 ist ähnlich wertvoll wie die Elsbeere, wird allerdings aufgrund seiner Seltenheit in deutlich geringerer Stückzahl angeboten.

Allerdings ist der Speierling in seinem Bestand in Deutschland stark gefährdet, was häufig durch seine geringe Konkurrenzkraft und die sich kaum etablierende Naturverjüngung erklärt wird. Auch aus den Früchten des Speierlings lassen sich edle Brände herstellen.


Mehlbeere (Sorbus aria). Im Vergleich zu seinen Schwesternarten ist die Mehlbeere noch unbekannter. Dabei ist ihr Holz vergleichbar mit dem von Speierling und Elsbeere und wird oft in dem Sortiment „Schweizer Birnbaum“ mit den genannten Sorbus-Arten zusammengefasst. Außerdem erfüllt sie ebenfalls viele wichtige Ökosystemfunktionen und erhöht als Mischbaumart die Biodiversität vor allem in trocken-warmen Eichenbeständen.


Feldahorn (Acer campestre). Der Baum des Jahres 2015 ist weitaus weniger bekannt und deutlich seltener anzutreffen als die bekannteren Ahornarten Berg- und Spitzahorn. Dennoch kann der Feldahorn auf trockenen Standorten ähnliche Wuchsleistungen wie diese erbringen und zu wertvollen Stammformen erzogen werden.


Französischer Ahorn am Donnersberg in Rheinland-Pfalz
Foto: Georg Löffler

Französischer Ahorn (Acer monspessulanum). Diese Ahornart ist weitaus seltener als der Feldahorn und kommt in Deutschland fast ausschließlich im Mittelrheingebiet, sowie im Nahe- und Moseltal vor. Die Blätter der beiden Arten sehr ähnlich aus, wobei die des Französischen Ahorns erheblich ledriger sind.


Wildapfel (Malus sylvestris). Der Baum des Jahres 2013, auch Holzapfel genannt, ist die Wildform unserer kultivierten Apfelsorten. Zwar besitzt er mittlerweile keinerlei wirtschaftlich Bedeutung mehr, allerdings werden Most und Säfte der Baumart in der regionalen Küche der Mosel sehr geschätzt.


Wildbirne (Pyrus pyraster). Der Baum des Jahres 1998 ist die Wildform unserer kultivierten Birnensorten und wird häufig als Holzbirne bezeichnet. Wie auch beim Wildapfel ist die genetische Vermischung mit Kulturformen ein großes Problem für die Baumart, da die einzigartige Erbinformation der Art verloren gehen könnte. Zudem gilt die Wildbirne in einigen Regionen Deutschlands als in ihrem Bestand gefährdet.


Neben den für das Projekt ausgewählten Laubbaumarten wären weitere nicht häufig vorkommende Spezies wie beispielsweise Spitzahorn (Acer platanoides), Vogelkirsche (Prunus avium), Winterlinde (Tilia cordata), Sommerlinde (Tilia platyphyllos), Walnuss (Juglans regia), Esskastanie (Castanea sativa), Weinbergpfirsich (Prunus persica) oder Flaumeiche (Quercus pubescens) als Alternativen für weitere Aufforstungen aufgelassener Weinberge denkbar. Alle diese Baumarten gelten als tolerant gegenüber Trockenheit und Hitze und werden als ökonomisch und ökologisch wertvoll angesehen. Dennoch bedarf es auch bei den aufgeführten Arten an weiterer wissenschaftlich belastbarer Forschung zu Ökologie, Wuchs- und Verjüngungsdynamik sowie physiologischer Leistungsfähigkeit insbesondere unter klimatischen Stressbedingungen.


Nachfolgend ist eine kleine Auswahl relevanter Literatur zu den untersuchten seltenen Laubbaumarten aufgeführt:

 

Kunz, J., Räder, A., Bauhus, J. (2016). Effects of Drought and Rewetting on Growth and Gas Exchange of Minor European Broadleaved Tree Species. Forests 7(10): 239.

Pyttel, P., Kunz, J., Bauhus, J. (2013). Growth, regeneration and shade tolerance of the Wild Service Tree (Sorbus torminalis (L.) Crantz) in aged oak coppice forests. Trees 27(6): 1609-1619.

Suchomel, C., Pyttel, P. (2011). Die Holzeigenschaften der Elsbeere. AFZ-DerWald 66(4): 11-13.

Klemmt, H.-J., Reger, B., Falk, W., Kunz, J. (2015). Der Feldahorn - Wachstum und Vorkommen in Bayern. LWF Wissen 77(1): 30-39.

Hemery, G.E. (2008). Forest Management and Silvicultural Responses to Projected Climate Change Impacts on European Broadleaved Trees and Forests. International Forestry Review 10(4): 591-607.

Hemery, G.E., Clark, J.R., Aldinger, E., Claessens, H., Malvolti, M.E., O´Connor, E., Raftoyannis, Y., Savill, P.S., Brus, R. (2010). Growing scattered broadleaved tree species in Europe in a changing climate: a review of risks and opportunities. Forestry 83(1): 65-81.

Spiecker, H. (2006). Minority tree species – a challenge for multi-purpose forestry. In: Diaci, J. (Hrsg.) Nature-based forestry in Central Europe: alternatives to industrial forestry and strict preservation. Department of Forestry and Renewable Forest Resources - Biotechnical Faculty, Ljubljana, S. 47-59.

Ergebnisse des von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) koordinierten Projekts „Erfassung und Dokumentation genetischer Ressourcen seltener und gefährdeter Baumarten in Deutschland“ zu Elsbeere, Speierling, Feldahorn, Wildbirne und Wildapfel aus dem Jahr 2013.